BEAT IT! - Zweiter Vorarlberger Kontrabasstag

Landauf und landab packten an einem herbstlich kalten Samstagmorgen ein ganzer Haufen KontrabassistInnen ihre großen Instrumente ein und begaben sich auf den Weg nach Feldkirch. Selbst einige Kollegen nördlich vom Bodensee machten sich auf, um am 16. November beim zweiten Vorarlberger Kontrabasstag im Festsaal der Stella Vorarlberg dabei zu sein.

Und da so ein hölzernes Ungetüm von Instrument in ausgewachsenem Zustand das mehr als tausendfache Volumen einer Blockflöte beträgt, sind dererlei Zusammenkünfte auch eine gewisse logistische Herausforderung. Organisatorisch vom Musikschulwerk - in der Person von Fachbereichsleiterin Silja Raeber - wunderbar unterstützt, fanden schließlich 65 (in Worten: fünfundsechzig) Menschen inklusive ihrer mächtigen Instrumente geordnet nach Stimmgruppen Platz auf der Bühne. Vom Kindergartenkind bis zum Pensionisten, von den Anfängern bis zu den Profis waren sämtliche Alters- und Leistungsstufen vertreten. Unter dem motivierenden Dirigat von Martin Deuring legte das Bass-Orchester los. Es wurde gezupft und gestrichen, dass es ein Dröhnen und eine Freude war. Erste gerötete, blasengefährdete Finger wurden bereits am Vormittag verbunden, die Anzahl der bei sämtlichen Lagenwechseln zurückgelegten Kilometer stieg von Minute zu Minute rasant.

In den Pausen konnte man in einem Ausstellungsraum Instrumente aus der Werkstatt von Annekathrin Schumacher probieren; es wurde gefachsimpelt, sich ausgetauscht oder einfach herumgetollt. Zur Mittagszeit fuhr ein Essenslieferant vor, der vor lauter Pizzakartontürmen im Fahrzeug kaum zu sehen war. Die hungrige Meute erleichterte den Boten in Windeseile von seiner sperrigen Fuhr, und die leergefutterten, aufeinandergestapelten Verpackungen erreichten mit exakt zwei Metern schließlich Kontrabasshöhe.

Am Nachmittag wurde fleißig weitermusiziert und der schöne Saal bis in die letzte Stuckatur-Ritze mit tieffrequenten Klängen geflutet. Die geprobten Stücke nahmen langsam Vollendung an und an letzten Details wurden geschliffen und poliert. Zum krönenden Abschluss wollte man die Ergebnisse des Tages selbstverständlich vor Publikum präsentieren. Also wurden die 260 Kontrabasssaiten nochmals durchgestimmt und nach anstrengenden Stunden an diesem physisch fordernden Instrument noch ein paar der hochbeanspruchten Körperteile gelockert und gedehnt.

Vor einem gut gefüllten Saal spielte das „Croissemble“, ein Kontrabasstrio aus unserer tonart Musikschule (und meiner Klasse) eine schwungvolle Eröffnung. Nach den begrüßenden Worten des Musikschulwerk-Geschäftsführers Mag. Mathias Lang präsentierte mit Malva Mathis, ebenfalls tonart Musikschule (und meine Schülerin) als heurige prima-la-musica-Bundessiegerin der Altersgruppe II dem Publikum ein Solostück. Mit Pius Verkleirer von der Musikschule Dornbirn und der Stella-Studentin Paula Gomez ging es mit formidabel gespielter Sololiteratur virtuos weiter. All das inmitten eines großartigen Bühnenbildes: Wie verwaiste Möbelstücke lagen über fünf Dutzend Kontrabässe in allen Größen und Brauntönen über das Podium verteilt.

Doch dann, in der zweiten Konzerthälfte füllte sich der Bühnenraum. Die noch eben - wie eine zufällig hingestreute Staffage - am Boden kauernden Instrumente wurden aufgerichtet und die Wucht und die Energie des gesamten Kontrabassorchesters entlud sich über die staunende Zuhörerschaft. Dieser sonore Gesamtklang einer auf Orchestergröße multiplizierten Bassgeige – sozusagen ein Subwoofer ohne Stromzufuhr - ist ein rares Erlebnis und das Publikum war begeistert. Mit Michael Jacksons Allzeitkracher „Beat It!“ als Zugabe und quasi Motto der Veranstaltung endete das Abschlusskonzert eines außergewöhnlichen Tages im Zeichen des größten Streichinstruments. Die Finger glühten, die Augen leuchteten! _MH

Die teilnehmenden BassistInnenen der tonart Musikschule (Klasse Marcus Huemer) waren Rosa Jäger-Hartmann, Sales Ursella, Laura Wechselberger, Samuel Klammer, Malva Mathis, Yannis Sonderegger, Elias Mathis, Gerd Schlegel, Peter Hammer und Bruno Willam.



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